Die
Geschichte der Stadt Alanya ist eng verflochten mit der Geschichte der
Burg - lange Jahrhunderte existierte Alanya zum grössten Teil nur auf
dem Burgberg. Auch ihre immense strategische Bedeutung für das Römische
Reich verdankt die Stadt der imposanten Festung auf dem Burgberg.
Wann genau die Burg zum ersten Mal als unbezwingbare Festung erbaut wurde,
ist weitgehend unbekannt. Sicher ist jedoch, dass der Piratenkapitän Diodoros
Tryphton den Burgberg im 2. Jahrhundert vor Christus zu seinem Hauptquartier
machte und von dort aus lange Jahre die Mittelmeerküste bis Antalya beherrschte.
Seine Macht war zeitweise so groß, dass er sich für 3 Jahre zum König
der Seleukiden ausrufen ließ. Die im Burgberg befindlichen Höhlen benutzte
er als Lager, Wohnräume oder Gefängnis für adlige Reisende, die ihm in
die Hände fielen und ihm "Einkommen" in Form von Lösegeldern
verschaffte. Seine Glanzzeit war aber 139 v. Chr. vorbei, als Antiochos
ihn vernichtend schlug.
Allerdings währte die Ruhe nicht lange, die Piraten formierten sich neu
und beherrschten vom Burgberg aus, der damals Korakesium (was soviel wie
"Himmelskrähe" heißt) hieß, von neuem das Mittelmeer. Erst im
Jahre 70 vor Christus machten die Piraten eine entscheidenden Fehler:
Sie entführten Julius Cäsar, der darüber so erzürnt war, dass er seinen
Feldherrn Pompejus mit einem starken Heer ausstattete, welches es möglich
machte, die Burg zu Wasser und zu Lande anzugreifen. Die Burg wurde bei
den Kämpfen stark zerstört, doch die römischen Besatzer erkannten die
Bedeutung der Lage schnell und bauten sie wieder auf. Erst im 7. Jahrhundert
wurde die Burg wieder bestürmt, diesmal von den Arabern. Die Historiker
sind sich aber bis heute nicht einig, ob es ihnen gelang, die Burg einzunehmen
oder ob sie an den Mauern scheiterten.
Im 11. Jahrhundert n. Chr. begann eine neue Glanzzeit der Stadt und der
Burg mit der Eroberung durch Alaeddin Keykubat. Dieser wollte für die
Seldschuken die Oberhand über das Mittelmeer haben, was aber ohne die
Burg bei Alanya nicht möglich war. Zu dieser Zeit war Kir Vart, ein Christ,
Kommandant der Burg. 2 Monate lang verteidigte er erfolgreich die Burg
gegen die Seldschuken. Um die Eroberung ranken sich wilde Legenden. So
soll der Sultan einen Traum gehabt haben, in dem Gott ihm seine Hilfe
zugesichert haben soll. Daraufhin liess er nach der einen Variante 100
Ochsen, 1000 Schafe und Geld unter die Armen verteilen, um diese zur Erstürmung
der Burg zu bringen. Nach anderen Berichten soll er besagten Ochsen und
Ziegen brennende Fackeln an die Hörner gebunden haben und diese den Burgberg
hinauf gejagt haben. Durch diesen Ansturm soll sich der Kommandant so
erschrocken haben, dass er aufgab. Nach Vermittlung durch den Statthalter
von Antalya, durch den Kir Vart um freies Geleit für sich und seine Leute
bat, öffnete er dem Sultan die Tore und ergab sich. Er heiratete die Tochter
des Sultans und liess sich für den Rest seines Lebens in Konya nieder.
In Alanya begann dagegen eine Blütezeit, da Alaeddin Keykubat die Stadt
zu seinem Sommersitz und zur Zweiten Hauptstadt (nach Konya) machte. Heute
ist von der Burg noch erhalten: die Geschützgießerei bzw. das Zeughaus
(Tophane), die Süleymaniye Moschee, den Han (in früherer Zeit = Unterkunft),
der heute als Hotel genutzt wird, einen Arasta (Marktbau), die Türbe (Grabbau)
von Aksebe, die byzantinische Kapelle, den 1225 errichteten "Roten
Turm" (Kizil Kule), die 1227 errichtete Werft (1), die unmittelbar
neben dem Roten Turm (2) liegt und die noch bis ins Jahr 1950 genutzt
wurde. Ausgrabungen in jüngster Zeit haben im Inneren der Burg sehr wahrscheinlich
die Reste des Sultanspalastes aus dem Dunkel der Zeit hervorgeholt.
Diese Werft wurde zwei Jahre nach dem Roten Turm im Jahre 1228 unter Sultan
Keykubat errichtet.Mit diesem Bau bezweckte der Sultan eine Abwehr der
Gefahr aus dem Osten und machte sich zum ( Sultan der zwei Meere
).Die Werft ist 56,5 m lang, 44 m tief und hat 5 gewölbte Docks,
von denen jede 7,70 m breit und 42,30 m tief ist.Mit den 1,70 m
dicken Mauern ist die Gesamttiefe 44 m. Es ist die einzige Schiffswerft,
welche die Zeit der Seldschuken bis hin in unsere Zeit überlebte.
Diese Werft ist eine der besterhaltesten und einzige des Mittelalters.
Nach der Eroberung von Alanya durch Sultan Keykubat im Jahre 1221 befahl
dieser, daß ein großes Monument als Symbol der türkischen Seemacht errichtet
werden sollte.Noch heute steht der majestätische Turm unbeschädigt
in seiner Urform da.Sein Name rührt von den unteren rötlichen Steinen
und den roten Ziegeln im oberen Bereich her. Die geschlagenen Steine sind
vom Osten der Meerenge DIM hierher geschafft worden. Da der Bauplatz
des Roten Turmes ein Gefälle von ca.2 m hat, mißt der Turm im Osten
35 m und im Westen nur 33 m. Das achteckige Bauwerk hat 5 Stockwerke.
Im Inneren des Turms fällt sofort der Temperaturunterschied auf.
Im Hochsommer ist es hier angenehm kühl, im Winter empfindet man
es hier wärmer als draußen. Im Erdgeschoß ist heute das Ethnographische
Museum. Die Ausstellungsstücke kann man ringsum in der Zisterne bewundern.
Heute ist er das historische Wahrzeichen von Alanya.
| 
(1) Seldschukische
Werft |

(2) rechts
unten: Der Rote Turm ( Kizil Kule ) |
|
| Die Anlage als
ganzes umfasst alle Merkmale einer antiken Stadt in ihrem Inneren: kleine
und grosse Moscheen, Zisternen, Marktplatz und Bäder sowie Zeugnisse
der traditionellen osmanischen Bauweise des 19. Jahrhunderts. Die Burg
besteht aus 3 Hauptsektoren unterschiedlichen Baustils. Nach der Wiedererrichtung
durch die Seldschuken wurde vom 11- bis zum 19. Jahrhundert an der Burg
gebaut. Die Festungsmauer hat eine Länge von 6,5 km, besitzt 140 Wachtürme
und umschließt die 3 Festungsteile vom Kizil Kule über die innere Burg,
den "Menschenwurf", zur Arap Evliyasi Kirche, passiert das
Zeughaus und die Werft, bevor sie wieder zum Roten Turm zurückkehrt.

die Byzantinische
Kapelle |
Ic
Kale - Innere Festung
Die Innere Festung liegt auf dem höchsten Punkt des 250 m hohen
Burgbergs.
Zugang hatte man durch einen viereckigen Turm im Osten, heute benutzt
man einen Durchbruch in der Stadtmauer. Am interessantesten sind
die vielen gut erhaltenen Zisternen (es gibt im ganzen Bereich der
Burg ungefähr 450), von denen die größte in der Inneren Festung
120.000 Tonnen Wasser fasst und heute noch in Betrieb ist. Zwei
davon in der inneren Festung kann man besichtigen. Überall in den
Gebäuderesten finden sich mehr oder weniger gut erhaltene Fresken.
Bei den schon erwähnten Ausgrabungen kamen Reste von Keramiken aus
dem 13. Jahrhundert zutage. Weiter findet man auf der Inneren Burg
Reste der Mannschaftsräume, einen Turm mit einem Kuppeldach und
Wasserrohren aus gebrannten Ziegeln in Innern (deswegen nennt man
diesen Bau "Soguk Su Hamami" - Kaltwasserbad. Allerdings
ist nicht klar, für was er wirklich genutzt wurde. Besonders gut
erhalten und beidruckend ist die Byzantinische Kapelle, die auf
den Überresten einer viel älteren Kirche erbaut wurde. Im Inneren
der Kapelle findet man Überreste von Fresken, die wahrscheinlich
die vier Evangelisten darstellen sollten. Ein definitives Entstehungsdatum
ist nicht bekannt, allerdings nimmt man an, dass Alaeddin Keykubat
unverzüglich nach der Eroberung im Jahre 1231 mit dem Bau begann.
|
Cilvarda
Burnu - Kap von Cilvarda
An der Südwestküste des Burgbergs zieht sich eine längliche Felsnase
etwa 400 Meter ins Meer. Ein Weg führt in der Inneren Burg von einem
am Ende der seldschukischen Stadtmauern gelegenen Turm bis zur Spitze,
der nicht ungefährlich und nur mit festem Schuhwerk zu begehen ist.
Auf dem Kap findet man die Überreste eines Klosters sowie weitere Ruinen,
von denen einige Archäologen vermuten, dass sich hier die Münzprägerei
befand. Im Osten des Klosters findet man noch eine recht gut erhaltene
Kapelle und eine Zisterne.
Hier befindet sich außerdem der "Menschenwurf",
ein etwa 20 m² grosser Platz hoch über dem Meer, der besonders bei Sonnenuntergang
ein fantastisches Panorama bietet. Er heißt deswegen so, weil Gefangen
hier die fragwürdige Möglichkeit hatten, begnadigt zu werden: trafen
sie mit einem kräftigen Steinwurf das Meer, wurden sie begnadigt und
in das Heer des Sultans aufgenommen. Trafen sie es nicht, wurden sie
selbst ins Meer gestürzt. Heute heißt es, dass es Glück bringt, von
dort einen Stein ins Meer zu werfen (was allerdings nicht gerade einfach
ist - die meisten kämen heutzutage nicht ins Heer des Sultans...)
|
| Orta
Kale - Mittlere Festung
Dieser Teil umfasst Ehmedek, Arap Evliyasi Kirche, die Aksebe Moschee
mit Mausoleum, den Marktplatz, das öffentliche Bad und die Herberge.
Seit Sommer 2002 kostet dieser Bereich leider extra Eintritt. Für geschichtlich
Interessierte oder Fotofans (wunderbare Ausblicke auf den Kleopatrastrand)
lohnt es sich aber allemal!
Han Bedesten - die Herberge
Die Anlage stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich von
reisenden Kaufleuten genutzt. Sie enthält 3 kleine und 3 grosse Räume
und dahinter einen von 20 Säulen abgestützten Raum, der wahrscheinlich
als Lager oder Stall genutzt wurde. An den Längsseiten eines rechteckigen
Hofes befinden sich je 9 Zellen mit einem Lichtloch in der Decke. Natürlich
enthält auch die Herberge eine eigene Zisterne.
Süleymaniye
Moschee
Diese Moschee entstand im 14. Jahrhundert auf den Mauern eines seldschukischen
Gotteshauses und wird heute noch genutzt, besonders in den Sommermonaten,
weil es im Inneren immer kühl ist. Die drei Kuppeln werden von 4 zusammengesetzten
Säulen getragen. Um die Kuppeln in en Ecken sind Tongefässe angebracht,
die die Akustik verbessern. Die in der Moschee erhaltenen Holzteile
sind ein Beispiel für die meisterhafte osmanische Schnitzkunst. Das
besondere an dieser Moschee ist die Lage, denn sie ist von Alanya aus
immer sichtbar, wenn man auf den Burgberg schauen kann.
Arasta
- der Marktplatz
An der Ostseite der Herberge befinden sich Reste eines Gebäudekomplexes,
der wahrscheinlich in früherer Zeit als Marktplatz diente. Die überwölbten
Marktstände ziehen sich links und rechts einer kleinen Strasse entlang,
in denen wahrscheinlich die in der Herberge logierenden Kaufleute ihre
Waren feilboten.
Aksebe Sultan
Moschee und Mausoleum
Innerhalb der Mittleren Burg, südwestlich der Herberge, befindet sich
diese Moschee. Es ist nicht ganz klar, wer Aksebe Sultan war, aber wahrscheinlich
handelt es sich um einen der ersten Kommandanten der Burg unter Sultan
Keykubat. Das Gebäue wurde 1231 erbaut und besteht aus einer quadratischen
Moschee und einem rechteckigen Mausoleum mit 2 angrenzenden Abschnitten.
Unweit der Moschee befindet sich ein zylindrisches Minarett mit quadratischem
Sockel. Als Baumaterial wurde sowohl rohe als auch behauene Steine,
Ziegel und weißer Kalk verwendet.
Ehmedek
Dies ist ein gut erhaltener Gebäudekomplex im Norden der Festung, von
dem aus man einen Rundblick über das gesamte Gelände hat. Woher der
Name kommt, ist wie so vieles im Zusammenhang mit der Burg im Dunkel
der Zeit verschwunden, aber man vermutet, dass es sich um den Namen
oder einen Beinamen des Baumeisters handelt. Der südliche Abschnitt
des zweigeteilten Gebäudes wurde in seldschukischer Zeit auf den Überresten
der hellenistischen Stadt Korakesium errichtet. Ein zweiter Schutzwall
umschließt die Mauern auf der Ost- und Nordfassade. In der Anlage befinden
sich drei riesige Zisternen, die noch heute in Gebrauch sind und damit
Zeugnis ablegen von der Baukunst der Seldschuken. Der komplex enthielt
unter anderem ein öffentliches Bad und Wohnräume, an deren Wänden Darstellungen
von Schiffen aus vorseldschukischer Zeit eingraviert sind.
Die Turmmauern sind aus rohem Stein gebaut und mit Zinnen und Schießscharten
versehen, in späterer Zeit wurden diese zugemauert und er Turm aufgestockt.
Auf der Nordseite des Hauptturmes kann man einer Inschrift entnehmen,
dass der Turm im Jahre 1227 entstanden ist.
Arap Evliasi
- "Arabischer Heiliger"
Dieses Gebäude ist eine kleine Kirche. An ihr lassen sich spuren aller
Baustile in der Burg feststellen, deswegen gilt sie archäologisch als
bedeutsam. Der erste Teil ist der in hellenistischer Zeit errichtete
Turm Die byzantinische Kirche wurde auf seinen Überresten errichtet
und genoss wie alle christlichen Kirchen den Schutz der Seldschuken.
Auch ein christlicher Friedhof soll existiert haben. Später wurde die
Kirche als Moschee genutzt und erhielt seinen Namen "Arabischer
Heiliger" nach einem heute nicht mehr existierenden Grab. Die Kirche
ist der Kapelle im Burginnern in Größe und Aufbau sehr ähnlich, hat
aber noch ein lichtdurchflutetes Obergeschoss, das wahrscheinlich den
Priestern vorbehalten war.
Dis Kale
- Äussere Festung
Unter diese Bezeichnung fallen die Festungsmauern mit der Werft und
dem Zeughaus.
Tophane - Arsenal/Zeughaus
Dieser Turm diente wahrscheinlich zum Schutz der Werft. Er hat eine
Höhe von 19 Metern und eine Grundfläche von 12 x 14 Metern. Erbaut wurde
der Turm auf einem 10 Meter über dem Meer liegenden Felsen und besitzt
2 Stockwerke - und natürlich die unvermeidliche Zisterne. Eine Inschrift
weist Sultan Keykubat als Erbauer aus. Insbesondere in diesem Bereich
finden sich viele Wohnhäuser alter türkischer Bauweise, die meist im
19. Jahrhundert entstanden und durch die baukünstlerische Ausführung
von großem historischem Wert sind. Früher war die Festung in viel mehr
Wohnbezirke aufgeteilt, von denen heute nur 2 dichtbevölkerte übrig
geblieben sind: Hisariçi und Tophane. In Hisariçi, dem zwischen Ehmedek
und der inneren Burg liegenden Bezirk, sieht man kleine Steinhäuser
mit abgeteilten Gärten. In Tophane, der sich im Osten der Halbinsel
erstreckt, kann man die typischsten Beispiele türkischer Holzarchitektur
bewundern. Hier, im Schatten der Festungsmauern, befindet sich die eigentliche
"Altstadt" von Alanya.
Wer sich nicht für die Geschichte interessiert, dem sei nach Dunkelwerden
ein Trip auf die Burg empfohlen. Entlang der Strasse findet man wunderschöne,
kleine Lokale und Bars, teilweise mit türkischer Live-Musik, deren Ausblick
schlicht atemberaubend ist: vor sich den Hafen von Alanya und hinter
sich die Festungsmauern sitzt man auf in den Fels gehauenen Terrassen
und geniesst den Ausblick auf die hellerleuchtete Stadt.
Nicht nur in der Reiseplanung geschichtlich Interessierter sollte die
Burg von Alanya auf keinen Fall fehlen. Wer sich das entgehen lässt,
kennt Alanya nicht! |