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Schönen Urlaub. Mit uns.

Die Stadt Alanya an der Südküste der Türkei ist ein Gebiet, wie es gegensätzlicher kaum sein könnte: ländliche Idylle und Partymeile, lange Sandstrände und eiskalte Gebirgsflüsse in urwüchsigem Hinterland, uralte Ruinen und moderne Hotelanlagen...

Hier trifft sich Orient und Europa auf engstem Raum! Begleiten Sie uns auf einem Streifzug durch Alanyas Geschichte, Kultur und Nachtleben. Wir möchten Ihnen zeigen, dass Alanya und die Türkische Riviera mehr zu bieten haben als günstigen All-inclusive-Urlaub, Sonne, Strand und Meer.

 

Ein kleiner Türkei-Knigge

In den grossen Touristenzentren können Sie sich in der Stadt, Restaurants etc. in der Regel genauso bewegen, wie Sie das von zuhause gewohnt sind. Man weiss und akzeptiert, dass die Touristen andere Sitten haben als die (traditionellen) Türken... Wenn Sie allerdings das Glück haben, zu einer türkischen Familie eingeladen zu werden, dann gibt es schon einiges zu beachten, besonders wenn es eine traditionelle Familie ist. Sicher wird es Ihnen keiner nachtragen, wenn Sie aus Unwissenheit Fehler machen, aber es ist doch eine schöne Geste, wenn man die Bräuche seines Gastgebers kennt und respektiert.

Bisher habe ich aber auch festgestellt, dass man bei Ausländern vieles nicht so eng sieht, wie das viele Kulturführer gerne glauben machen wollen (z.B. dass mit links nichts gereicht oder gegessen werden darf - auch in der Türkei wäscht man sich nach der Toilette die Hände, sogar die linke... kaum ein "Tipp" ist mehr aus der Mode.....).

Viele der nachfolgenden Tipps betreffen Regionen, in denen der Tourismus nicht angekommen ist und eher bäuerliche und/oder religiöse Schichten. Die normale türkische Mittelklassefamilie, eher weniger religiös und westlich eingestellt, ist von der normalen europäischen Durchschnittsfamilie nicht zu unterscheiden.

Generelle "Benimmregeln":

  • Zu dem beliebten türkischen Kaffee wird immer ein Glas Wasser gereicht.
    Als absoluter Kenner weisen Sie sich aus, wenn Sie
    Turk Kahvesidas Wasser VOR dem Kaffee trinken - der Mund soll von störenden Aromen gereinigt werden, bevor der Mocca genossen wird. Es ist für türkische Kaffeeliebhaber ein grosser Faux Pas, nach dem Kaffeegenuss den Geschmack mit Wasser hinunter zu spülen.
  • Wenn Sie Tee trinken, signalisieren Sie, dass Sie keinen mehr möchten, indem Sie den Teelöffel quer auf das Glas legen - ansonsten wird Ihnen nachgeschenkt, bis Ihnen der Tee zu den Ohren wieder rauskommt!
  • in "typisch türkischen" Lokalen wird das Essen (Ausnahme: Gegrilltes) in der Regel lauwarm bis kalt serviert, sogar Pommes! Die meisten Lokale in Touristengegenden haben sich aber darauf eingestellt und servieren, wie für Deutsche gewohnt, das Essen heiss.
  • wie in den meisten südlichen Ländern gibt es meist nur eine Rechnung, die hier in der Regel auch von einer Person bezahlt wird. Geben Sie nicht zuviel Trinkgeld und dieses am besten in Türkischen Lira, da Münzgeld oft nur zu einem schlechteren Kurs umgetauscht werden kann. Mehr als 5 Mio TRL sind nicht angebracht, das ist die oberste Grenze. Wenn an einer zentralen Kasse bezahlt wird (in typisch türkischen Lokalen oft üblich) dann geben Sie das Trinkgeld in eine separate Tipbox, die fast immer auf dem Tresen steht.
  • Für Türken ist das "öffentliche" Schneuzen beim Essen widerlich, wäre in Deutschland ungefähr vergleichbar mit lautem Rülpsen bei Tisch. Man steht auf und schneuzt sich abseits der Tafel, am besten auf dem WC.
  • Sind Sie in eine Wohnung eingeladen, dann ziehen Sie immer vor der Tür die Schuhe aus. Es stehen in der Regel für alle Gäste Hausschuhe zur Verfügung.

Religiöse Befindlichkeiten:

  • Wundern Sie sich als Frau nicht, wenn ein (Ihnen fremder oder nur flüchtig bekannter) Türke Ihren Begleiter per Handschlag oder gar Küsschen begrüsst, aber Ihnen nur kurz zunickt - wenn überhaupt. Es bezeigt Respekt: diese Frau ist tabu.
  • Als Mann geben Sie einer Türkin bitte nur die Hand, wenn sie Ihnen diese entgegenstreckt. Besonders gläubige ältere oder sehr junge Frauen würden keinen nicht mit ihnen verwandten oder gar fremden Mann berühren. Sprechen Sie(als Mann) auch möglichst keine türkische Frau mit Kopftuch an, es wäre ihr peinlich, im "Gespräch" mit einem Fremden gesehen zu werden in einem Geschäft, wo eine Frau mit Kopftuch als Verkäuferin arbeitet ist das natürlich etwas anderes.
  • Betende Menschen stören Sie bitte nicht durch Fotografieren, Herumlaufen oder gar anfassen.

Traditionelles und weitab vom Tourismus:

  • Als Mitbringsel oder Gastgeschenke sind Süssigkeiten, Kosmetik, kleinere Elektrogeräte oder Spielzeug für die Kinder angebracht- Blumen oder Alkohol sind unüblich. Türkinnen freuen sich tatsächlich über "nützliche" Geschenke für den Haushalt. Gerne gesehen werden Handarbeiten - aber Achtung... viele Frauen sind hier wahre Künstlerinnen mit der Nadel.
  • Älteren Menschen gegenüber bringen Sie besonderen Respekt zum Ausdruck, wenn Sie deren rechte Hand mit einer angedeuteten Verbeugung erst zum Kinn und dann an die Stirn drücken. Je nach Familie ist es aber meist nur bei besonderen (offiziellen) Anlässen wie zum Beispiel den beiden Bayrams und Hochzeiten etc. üblich, also nicht mit dem normalen Händedruck zu vergleichen. Die Hand wird *nicht* geküsst.
  • Vor älteren Leuten zu rauchen, gilt als unhöflich, ausser es wird ausdrücklich gestattet (z.B. der Baba raucht selbst oder man bietet Ihnen Zigaretten an)
  • in Gegenwart von Älteren schlägt man die Beine nicht übereinander (gilt für Männlein und Weiblein), bequemes (für deutsche Begriffe "hingelümmeltes") sitzen mit untergeschlagenen Beinen auf der Couch ist allerdings kein Problem - aber nicht mit den nackten Fussohlen auf jemanden zeigen!

Gastgeschenke:

  • Bei Essenseinladungen ist es üblich, etwas mitzubringen. In der Regel werden türkische Süssigkeiten für den Nachtisch mitgebracht, z.B. Baklava oder (bei einer Tee-Einladung) Kurabiye (gemischte Plätzchen) Blumensträusse sind auch in der Türkei modern geworden. Die "normale" türkische Frau wird sich über ein schönes Bouquet sehr freuen, sehr beliebt sind auch Gestecke aus Seidenblumen und neuerdings auch Topfpflanzen. In bäuerlichen Gegenden ist das aber nicht üblich.
  • Weitere geeignete Gastgeschenke, wenn man "der Besuch aus Deutschland" ist: Parfum, Pflegemittel, Haushaltsartikel, ausgefallen Wolle, Werkzeug, Sämereien (z.B. gelbe Tomaten oder Zucchini, alsu ausgefallenes), Handarbeiten.
  • Gerne genommen werden Süssigkeiten, Bonbons, Schokolade oder Pralinen. In westlichen Familien wird sehr gerne ausländischer Alkohol genommen, z.B. Whisky oder Wodka. Trotzdem vorher nachfragen, ob die Familie Alkohol trinkt.
  • Für Kinder in bäuerlichen Familien sind Kleidung, Schulsachen (Farben, Zirkel, Mäppchen - keine Füller! - oder Schultaschen) angebracht, Spielzeug wird natürlich auch gerne gesehen.

 

Kleidung

Wir ersparen uns Kommentare zur in Urlaubszentren durchaus beliebten im-Bikini-durch-die-Stadt-Schlapperei. Schließlich ist noch nicht ausdiskutiert, ob die betreffenden Damen ihren Sonnenbrand auch abends in voller Schönheit zeigen sollten oder ob die Reisekasse vor der Anschaffung eines T-Shirts kapituliert hat. Fest steht nur eines: Selbst in Mitteleuropa würde man mit halbnackter Erscheinung auf Befremden stoßen, auch wenn das Wetter ausnahmsweise denn mitspielen sollte.... Bei vielen türkischen Männern, besonders von denen, die in ihrer Heimatstadt höchstens mal die Nasenspitze einer fremden Frau erblickt, wird durch diese "Freizügigkeit" der Eindruck erweckt, die Frau sei leicht verfügbar.

Die Empörung, die im Sommer ob eines von einem drittklassigen Lokalpolitiker geforderten Bikiniverbots hochschwappte (und teilweise mit verschleierten Frauen am Strand suggerierte Badekleidungs-Verbot am Strand) ist in Alanya auch von modernen und auch deutschen Einwohnern durchaus begrüsst worden. Badekleidung gehört an den Strand und nicht in den Supermarkt oder in die Fussgängerzone.

Übrigens gilt für Männer: kurze Hosen sind Unterhosen oder nur für Kinder. Zumindest in traditionellen Gebieten ist es angebracht, eine mindestens die Knie bedeckende Hose zu tragen. Bei Besuchen gilt allerdings auch diese als unhöflich und kann als Affront gesehen werden. Im Geschäftsleben (auch beim Einkaufen) machen hier in der Türkei ganz extrem "Kleider Leute" und gepflegte Kleidung bei Männlein und Weiblein hat einen viel höheren Stellenwert, vielleicht weil aufgrund der viel krasseren gesellschaftlichen Unterschiede das äussere Erscheinungsbild auf die Stellung in der Gesellschaft hinweist - die deutsche Gesellschaft ist weitaus homgener als die türkische, wo das Wort "Klassenzugehörigkeit" leider noch eine grosse Wichtigkeit besitzt. Ein Lehrer zum Beispiel, der nicht mit Anzug und Krawatte vor seiner Klasse steht, ist hier schlichtweg undenkbar.

Verhalten von Touristinnen:

Die Ehre der Frau hat in der Türkei eine andere Bedeutung und andere Ausmaße als in Deutschland. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Wir wollen Ihnen keineswegs zu bodenlangen wallenden Gewändern und einem stets "züchtigen" Verhalten raten !!! Schließlich sind auch die Türkinnen in den Städten und Ferienzentren zum großen Teil sehr westlich, tragen schicke Minikostüme statt Kopftuch und brechen in schallendes Gelächter aus ob des deutschen Gedankens, sie würden zuhause eingesperrt und müßten sich in allen Bereichen des Lebens demütig dem Manne unterordnen. Aber dies alles ist keine mitteleuropäische Modernität. So wird unbedachte Freundlichkeit einer deutschen Frau gegenüber Männern schnell mißverstanden.

Eine Türkin lächelt nicht jeden fremden Mann an, sondern verhält sich vielmehr für deutsche Augen durchaus arrogant und abweisend. "Harmlose" Flirts mit dem Kellner oder dem Verkäufer sind kaum üblich. Natürlich steht es Ihnen als Urlauberin frei, ihr "deutsches" Verhalten auszuleben. Aber Sie dürfen sich nicht wundern, wenn Sie automatisch in´s Schema "leichte Beute" gepreßt werden und Anmache von allen Seiten riskieren. Aber ein abweisender und völlig unverständiger Blick auf "Flirt - Angebote" der Männer wirkt sofort Wunder.

Ein brisantes Thema: die Urlaubsliebe

Damit eng verbunden ist ein besonders in Alanya immer wieder aktuelles Thema "die grosse Urlaubsliebe".... Türkische Männer können unglaublich charmant sein und die türkische Sprache ist sehr blumig und ausdrucksvoll - es gibt traumhaft schöne Redewendungen, die jede Frau bezaubern - aber genau das sind sie: Redewendungen. Eine Frau sollte sie geniessen, aber diesen Beteuerungen in den meisten Fällen einfach keinen Glauben schenken...

Leider ist an der türkischen Riviera (ganz extrem übrigens in Side) ein Berufsstand besonders verbreitet: der des sogenannten "Gigolos": junge, meist gutaussehende Männer, oft aus ärmlichen Verhältnissen in Zentralanatolien, die aus einem Grund in die Touristenstädte kommen: ihr Ziel ist es, einen europäischen (am liebsten deutschen, holländischen oder skandinavischen) Pass zu heiraten - oder sich leicht einen gehobenen Lebensstandart zu verschaffen: vom Handy über Markenklamotten (Turnschuhe!) bis hin zu Auto, Wohnung oder gar Geschäft. Oft wird auch ein familiärer Notfall vorgeschoben, um Geld erbitten zu können. Da wird der Vater plötzlich krank und da man ja nicht versichert ist, muss der Vater sterben, wenn nicht Gabi aus Gelsenkirchen ihr Scherflein dazu beiträgt. Und wer will schon schuld sein, wenn eine Familie den Ernährer verliert?? Sicher gibt es auch die vielgerühmte "grosse Ausnahme" - aber auch hier gilt dasselbe wie "daheim": je ähnlicher Ausbildung, gesellschaftlicher und finanzieller Hintergrund und auch Interessen sind, desto höher sind die Chancen, dass die türkisch- deutsche Liebe funktioniert.

Dass ein türkischer Mann eine mehrere Jahre ältere Frau heiratet, ist in der Regel völlig ausgeschlossen - hier ist besondere Vorsicht angezeigt. Da der Hauptgrund einer Heirat die Familiengründung - sprich Kinder in die Welt setzen - ist, sollte man schon extrem kritisch sein, wenn ein Mann unter 30 eine ausländische Frau über 40 (oder überhaupt, wenn die Frau mehr als 3- 4 Jahre älter ist) zu ehelichen gedenkt. Dies ist keine Wertung, sondern einfach die Feststellung der Tatsache, dass diese Alters-Konstellation in der Türkei noch weit unüblicher ist als in Deutschland, wo das Thema Altersunterschied ja auch ab und zu Gegenstand dieser "Talkshows" ist....

Wie eingangs aber schon erwähnt, ziehen viele junge Türken gar nicht erst in Erwägung, eine ernsthafte Beziehung zu einer Ausländerin einzugehen, da eben das Vorurteil herrscht, dass diese es sowieso nicht ernst meinen und bei der erstbesten Schwierigkeit (oder dem erstbesten Mann) wieder davonlaufen. Es ist zwar "in Ordnung" - manchmal auch jahrelang - eine deutsche Freundin zu haben, aber geheiratet wird dann doch ein "anständiges türkisches Mädchen" - manchmal sogar ohne die Beziehung zur Freundin abzubrechen!


Zum Thema Zwangsheirat: diese kommt zwar immer noch leider sehr häufig vor, aber wirklicher Zwang wird meistens nur auf die Mädchen ausgeübt. Viele junge Männer denken sich noch nicht einmal viel dabei, ein Mädchen zu heiraten, das sie kaum kennen und das die Eltern für ihn ausgesucht haben. Da viele Türken zwar sehr romantische Filme und dramatische Lieder lieben, das wahre Leben in einer Ehe aber oft völlig anders verläuft, sind die jungen Männer oft sogar erleichtert, wenn sie sich das ganze "Getue" sparen können. In der Türkei haben die meisten immer noch völlig andere Vorstellungen von einer Ehe. Mit Partnerschaft, wie man das im westlichen Europa sieht, hat eine typische türkische Ehe nichts zu tun. Die Eheleute leben in 2 verschiedenen Welten, zusammen weggehen gibt es nur bei hochoffziellen Angelegenheiten wie Hochzeiten (und selbst da sitzen Männer und Frauen meist getrennt).
Es ist immer Vorsicht geboten, wenn der türkische Freund mit dem Hinweis auf die "Zwangsheirat" die Beziehung beendet - im Gegensatz zu einer Tochter hat ein Sohn meistens nicht das Muss der Wahl zwischen Familie und der geliebten Frau, denn einen Sohn wird man so schnell nicht verstossen. Dass dann die ungeliebte Schwiegertochter später darunter zu leiden hat, dass sie nicht willkommen ist, steht auf einem anderen Blatt und würde Material für einen Roman liefern.

 

 

Verhalten von Pärchen:
Wildes Knutscherei in der Öffentlichkeit wird beim Urlauber zwar toleriert, schließlich bringt er Devisen ins Land, ist aber extrem unüblich bei Türken. Und ein Mann, der amüsiert danebensteht, während seine Frau mit dem Verkäufer der Ledertasche im Bazar flirtet, macht sich hochgradig lächerlich. Türken können nicht nachvollziehen, daß der deutsche Mann eben die Bedeutung jener doch so "harmlosen Freundlichkeiten" völlig anders einschätzt und halten ihn für einen Waschlappen, der noch nicht mal in der Lage ist, seine eigene Frau zu verteidigen. Übrigens beinhaltet der Flirt im Beisein des Mannes automatisch eine krasse Mißachtung beider, sowohl des Mannes als auch der Frau. Bei der einfachen und ländlichen Bevölkerung geht das soweit, daß die Frau ÜBERHAUPT NICHT beachtet wird, weder gegrüßt noch angeguckt, man verhandelt ausschließlich mit dem Mann. Die Europäerin fühlt sich daraufhin mißachtet ob des vermeintlich "stoffeligen" Verhaltens, tatsächlich ist ihre Wertschätzung beabsichtigt !!!!!! Moderne Türken agieren selbstverständlich nicht derartig krass, aber trotz allem wird in der Regel mehr mit dem Mann gesprochen sowie auf keinen Fall mit der dazugehörigen Frau ein Flirt angezettelt.

 
Beachtung der Gegensätze im Land:
Als Pauschalreisender, der sich auf die Touristenzentren, insbesondere rund um Antalya,
beschränkt, werden Sie von den krassen Gegensätzen im Land kaum etwas mitbekommen. Wenn Sie allerdings individuell reisen und auch das dünn besiedelte Inland kennenlernen wollen, sieht die Sache anders aus. In den zentralanatolischen Dörfern und im Osten gibt es Gebiete, in denen völlig andere Gesetze gelten als an der Küste und den Städten. Archaisch anmutende Dorfstrukturen, feste traditionelle Familienverbände und große Frömmigkeit sind dort an der Tagesordnung. Meist werden die Leute sehr nett und hilfsbereit zu Ihnen sein und Ihnen mit einer überwältigenden Gastfreundschaft begegnen.

Aber es wäre vielleicht ratsam, in solchen Dörfern das Miniröckchen im Koffer zu lassen und stattdessen lieber weite, halbwegs elegante Kleidung zu wählen. Sie sollen sich nicht in Sack und Asche hüllen oder verschleiern, ein langes Kleid oder eine leichte lange Sommerhose mit Bluse kann auch schick aussehen und verletzt das Anstandsgefühl der Bevölkerung in diesen Teilen des Landes nicht. Für Männer gilt: eigentlich gibt es in der Türkei keine kurzen Hosen, diese gelten ausserhalb der Touristenzentren als Unterwäsche, damit läuft man in der Öffentlichkeit nicht rum - und nun stellen Sie sich mal vor, Ihnen käme in Frankfurt auf der Zeil ein Mann in Unterhosen entgegen - bestenfalls fänden Sie das lächerlich, oder?
Basar1

Ausserdem machen in der Türkei fast mehr als in Deutschland "Kleider Leute" - eine Frau im Kostüm wird mit Sicherheit weniger abfällig angequatscht als eine im Schlabberlook.

Weiterhin wäre es auch ratsam, auf für die Leute provozierende Gesten wie z.B. Essen und Rauchen in der Öffentlichkeit während des Ramazan´s zu verzichten.

 
Camii Verhalten in Moscheen:
Im Gegensatz zu manchen arabischen Ländern können in der Türkei Moscheen auch von "Ungläubigen" besichtigt werden. Allerdings sollte man ein Tuch dabei haben, um den Kopf zu bedecken. In größeren "touristenwirksamen" Moscheen wie in Istanbul und in ausgesprochenen Feriengebieten liegen Tücher am Eingang aus. Die Schuhe müssen am Eingang ausgezogen werden. Shorts + Trägerhemdchen werden bestenfalls gelitten und sind keine einer Moschee entsprechende Kleidung.
Vermeiden Sie es anstandshalber, Betende zu stören, so wird ein Gebet ungültig, wenn man vor dem Betenden herumlatscht. Sie sollten vielleicht auch nicht ausgerechnet am Gebetstag Freitag die Moschee besichtigen.
Besonders in Alanya sind die Moscheen im Zentrum (besonders die "Yeni Cami" - Bild rechts - in der Nähe des Atatürk Denkmals und die Moschee in der Nähe des Freitagsbasars) freitags mittags derart überfüllt, dass die Betenden selbst noch auf dem Bürgersteig ihre Gebetsteppiche ausgebreitet haben.
Bitte seien Sie so rücksichtsvoll, die Strassenseite zu wechseln, wenn Sie während des Gebets dort vorbeigehen, machen Sie keine Fotos von betenden Menschen und äussern Sie sich bitte nicht abfällig in Hörweite der Gläubigen.
 

Vermeidung von Reizthemen:
Verzichten Sie als Tourist besser auf Diskussion mit Türken über Reizthemen, wenn Ihnen an einem harmonischen Verlauf des Abends gelegen ist.

Eines der bedeutendsten Reizthemen ist Atatürk. Vielleicht mag Ihnen als Tourist und Europäer die extreme Verehrung dieses Mannes befremdend erscheinen, schon am Flughafen empfängt Sie sein Portrait, jeder größere Ort hat seinen Atatürk - Platz mit entsprechendem Denkmal, allenthalben finden sich Atatürk-Straßen und selbst in Privatwohnungen hängt mitunter ein Konterfei des drahtigen Mannes mit dem entschlossenen Blick aus blauen Augen.

Impress
Atatuerk

Aber Atatürk ist eine türkische Integrationsfigur, eben "der Vater der Türken", ohne ihn gäbe es keine Türkei in den heutigen Grenzen, vielmehr wären weite Teile des Landes zwischen den Siegermächten des ersten Weltkrieges verteilt worden, ohne ihn gäbe es keine Republik mit Trennung zwischen Staat und Religion, kurzum, das gesamte Staatsgebilde ist auf seinen Ideen aufgebaut. Über Atatürk diskutiert man nicht, dazu sind seine Errungenschaften für das Land zu übermächtig. Schon die Kleinsten werden in den Schulen zu einer richtiggehenden "Verehrung" Atatürks angehalten, die viele Deutsche befremdlich finden mögen.
Zudem werden Sie als Tourist im Zweifelsfall kaum die entsprechenden vertieften Kenntnisse haben, um überhaupt mitreden zu können (sorry, aber vertiefte Kenntnisse bzgl. dieses Staatsmannes gehören -leider- grundsätzlich nicht zur deutschen Allgemeinbildung).

 

Ein zweites Reizthema voller Mißverständnisse zwischen Türken und Europäern ist "die Lage der Kurden". Selbstverständlich ist einiges im Argen und es gibt unschuldige Opfer - allerdings auf beiden Seiten.

Aber Europäer setzen immer wieder "die Kurden" mit "der PKK" gleich, dies ist eindeutig falsch. Im Land verteilt leben Millionen Kurden völlig normal und unbehelligt, arbeiten und machen Geschäfte sowie distanzieren sich von der PKK oder deren Nachfolge-Organisation Kongra-GEL als einer terroristischen Vereinigung genauso wie die Türken. Als die PKK im Jahre 1999 Bombendrohungen für Touristengebiete verbreiten ließ, haben sich viele kurdische Geschäftsleute ganz genauso aufgeregt wie ihre türkischen Nachbarn ob des Rückgangs der Touristen. Dasselbe geschieht regelmässig jdes Jahr zu Beginn der Buchungszeiträume für die neue Saison, wenn kurdische "Freiheitskämpfer" das Ende des seit der Festnahme des PKK-Führers Öcalan verkündeten Waffenstillstands erklären und Touristen wie Investoren warnen. Selbst ranghohe kurdische Politiker(innen) lehnten dies allerdings ab.
Seit kurzem ist viel in Bewegung: kurdische Politiker, die sich keines "normalen" Verbrechens schuldig gemacht haben, kamen aus den Gefängnissen frei, das türkische Fernsehen sendet seit einiger Zeit auch in Minderheitensprachen und es wurde die Möglichkeit geschaffen, in kurdisch zu unterrichten.
Trotzdem haben viele Türken und Kurden das Leid nicht vergessen, das fanatische Kämpfer und Militärs über die Menschen gebracht haben - deswegen ist hier der Beginn einer Diskussion ohne fundiertes Hintergrundwissen über die Historie dieses Konflikts nicht angebracht - und schon gar kein Thema für eine Urlaubsunterhaltung...

Ebenso kann man sich leicht ins Fettnäpfchen setzen, wenn man Diskussionen über die Religion beginnt, obwohl dies bei gegenseitigem Interesse und Toleranz durchaus sehr interessant sein und ganz neue Blickwinkel eröffnen kann. Unterhalten Sie sich einmal mit einem wirklich kundigen Türken über den Islam, und Sie werden mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede entdecken!

Markt
Auch die in letzter Zeit im Zuge der EU-Verhandlungen entstandenen Diskussionen um Nordzypern, die Armenierfrage, Behandlung von Frauen etc. sollten nicht wirklich ein Thema für Urlaubsunterhaltungen und sie sollten sich gut überlegen, mit wem sie eine solche Diskussion anfangen.
 
Besonderheiten des Kahve(hane) (gespr: Kachwehane):
Kahve hat 2 Bedeutungen, erstens der wohlschmeckende türkische Mokka, aus dessen Satz sich so schön die Zukunft sagen läßt und zweitens das "Kaffehaus", was nicht mit einem Cafe nach europäischen Vorstellungen zu verwechseln ist. Auch wird witzigerweise dort kaum Kaffee, sondern vielmehr Tee getrunken. Das Kaffeehaus ist eine Institution ausschließlich für Männer, "Mann" trifft sich dort, ist unter sich, spielt "tavla" (Backgammon) oder Karten und unterhält sich, außerdem dienen die Kaffeehäuser sozusagen auch als "Arbeitsamt" für Gelegenheitsjobs, wer Tagelöhner - Arbeit zu vergeben hat, findet seine Arbeiter oft im Kahve. Überall in der Türkei gibt es diese Art der Kneipe - keine Frau würde den Laden jemals freiwillig betreten.
Einer Touristin wird derartiges Verhalten nachgesehen, ""sie weiß es eben nicht besser". Allerdings verpassen weibliche Urlauber ganz und garnichts, wenn sie stattdessen lieber ins schöne Bistro im Nebengebäude gehen, die Kaffeehäuser sind durch die Bank die spärlichsten Etablissements der gesamten Umgebung - durch nahezu blinde Fensterscheiben läßt sich ein Minimum an Einrichtung, wackliges Plastikmöbiliar, "gemütliche" Neonbeleuchtung und im Ganzen ein extrem ungepflegtes Ambiente erahnen. Prädikat: Wenig empfehlenswert.
 
Nacht

Reiseausrüstung:
Packen Sie eine Taschenlampe ein. Wegen überlastetem Stromnetz oder sonstigen Pannen gerade in den Ferienzentren zur Saison sind Stromausfälle an der Tagesordnung. Keine Panik, meist dauern sie nur kurze Zeit und das Abendessen am Meer bei Kerzenschein ist sehr romantisch. Aber wenn Sie einmal in den verwirrenden engen Gassen eines Basars bei völliger Dunkelheit standen, werden Sie Ihre kleine Taschenlampe zu schätzen wissen.

Nicht im Gepäck fehlen sollten ausserdem ein Mückenspray, Sonnencreme anfangs LSF 20 - 25, später ca 5 - 8, Filmmaterial (wenn Sie noch "traditionell" fotografieren), Kopfbedeckung und eine gute Sonnenbrille. Wenn Sie Touren ins Hinterland planen, denken Sie an leichte, aber lange Hosen und feste Schuhe, ausserdem Bonbons für die Kinder in den Dörfern.
 

 

Autofahren:
Vergessen Sie bitte alle deutschen Verkehrsregeln !!! Auf dem Papier gelten zwar in der Türkei nahezu diesselben Gesetze, aber Theorie und Praxis lassen sich meist nicht vereinbaren ;-). Der Türke fährt sehr kreativ stets den Erfordernissen der jeweiligen Situation "angepaßt", schließlich kann nicht für jede Lage im Verkehr eine Regel gelten, oder ????? Vergessen sie Vorfahrtsbestimmungen, achten Sie bei grüner Ampel trotzdem auf den Querverkehr, sehen Sie Ihren Blinker als unnütze Verzierung an und nützen Sie die vielfältigen Möglichkeiten Ihrer Hupe. Türken hupen gern und dies hat in der Türkei auch eine völlig andere Bedeutung als in Deutschland. Es ist NICHT gleichbedeutend mit "Heeee, Du Volldepp, hat Du Deinen Führerschein im Lotto gewonnen ???", sondern der Autofahrer will lediglich auf sich aufmerksam machen, beispielsweise beim Überholen.

Wer ein guter und vorausschauender Autofahrer ist, wird in der Türkei kaum Probleme bekommen. Aber fahren Sie stets frei nach der Toyota-Devise: "Nichts ist unmöglich". Achten Sie auf Widrigkeiten wie Schlaglöcher, ungesicherte Baustellen und plötzlich auftauchende Kinder sowie Tiere auf der Straße. Natürlich ist`s immer Geschmacksache, aber wir fahren dort sogar lieber als in Deutschland, die Autofahrer beharren weniger stur "auf ihrem Recht" und kein anderer Verkehrsteilnehmer käme auf den Gedanken, einen wegen Lappalien wie rechts überholen anzuzeigen. Vorsicht allerdings bei Überlandfahrten zu nächtlicher Stunde, diese erfordern hohe Konzentration, vor allem wegen der hohen LKW-Dichte auf Landstraßen, mitunter wird wild überholt und manche der Lastwägen sind bar jeder Beleuchtung.
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